Im Schnitt acht Jahre.
Berufsunfähigkeit wird oft zum Lebensabschnitt
Berufsunfähigkeit ist für Betroffene oft kein kurzer Einschnitt, sondern ein prägender Lebensabschnitt. Eine aktuelle Auswertung eines deutschen Versicherers zeigt: Ein BU‑Leistungsfall dauert im Durchschnitt 93 Monate – fast acht Jahre. Berufsunfähigkeit ist damit für viele Betroffene kein kurzer Einschnitt, sondern ein prägender Lebensabschnitt mit weitreichenden Folgen. „Wer jahrelang nicht arbeiten kann, muss sein Leben komplett neu organisieren – finanziell, beruflich und privat“. Für viele gehe es dabei um existenzielle Fragen – vom Einkommen über die Rolle im Alltag bis hin zur eigenen Identität.
Diese Berufsgruppen sind besonders betroffen
Die Daten des Versicherers zeigen zudem: Berufsunfähigkeit betrifft längst nicht nur körperlich belastende Tätigkeiten. Besonders häufig verzeichnet er BU‑Leistungsfälle bei medizinischem Personal, Beschäftigten im kaufmännischen Bereich sowie bei pädagogischen Fachkräften.
„Es sind Berufe mit hoher Verantwortung, ständigem Zeitdruck und einer großen emotionalen Beanspruchung“, ordnet Runkler ein.
„Der Haupttreiber von Berufsunfähigkeit ist die Psyche“
Entsprechend eindeutig fällt der Blick auf die Ursachen aus. „Der Haupttreiber von Berufsunfähigkeit ist die Psyche“, wird betont. Seit Jahren entfallen im Markt rund 30 Prozent der BU‑Fälle auf psychische Erkrankungen. Dahinter folgen Krebserkrankungen sowie Erkrankungen des Bewegungsapparates mit jeweils etwa 20 Prozent. Größere Verschiebungen oder neue Trends sind in den vergangenen drei bis fünf Jahren nicht zu beobachten – psychische Erkrankungen bleiben die zentrale Herausforderung.
Finanzielle Realität: BU‑Rente oft zu niedrig angesetzt
Neben der langen Dauer zeigt sich eine weitere Herausforderung: die Höhe der abgesicherten BU‑Rente. Im Jahr 2025 zahlte der Versicherer im Leistungsfall durchschnittlich rund 900 Euro BU‑Rente pro Monat aus. „Für ein auskömmliches Leben reicht dieser Betrag in vielen Fällen nicht – insbesondere dann nicht, wenn Berufsunfähigkeit über Jahre andauert“. Umso wichtiger sei es, die Höhe der BU‑Rente realistisch zu wählen und regelmäßig zu überprüfen. „Nach Gehaltserhöhungen oder beruflichen Veränderungen sollte die Absicherung angepasst werden. Die BU‑Rente muss zu den individuellen finanziellen Anforderungen passen“.
Die Rentenhöhe sollte so gewählt werden, dass sie den individuellen finanziellen Anforderungen entspricht. Als Richtwert für die Wahl der Rentenhöhe bei Arbeitnehmern gilt: maximal 60 Prozent des aktuellen Jahresbruttoeinkommens oder 70 bis 80 Prozent des aktuellen Nettoeinkommens. Bei Selbstständigen sollten circa 60 Prozent des Gewinns vor Steuern aus Praxis oder Gewerbe nach Abzug aller Betriebsausgaben und betrieblichen Steuern herangezogen werden.
Perspektiven schaffen – trotz BU
„Berufsunfähigkeit muss nicht das endgültige Aus für das Arbeitsleben bedeuten“. Mit gezielten Reha‑Maßnahmen, angepassten Tätigkeiten oder einer schrittweisen Rückkehr können viele Betroffene wieder beruflich Fuß fassen. Entscheidend sei das Zusammenspiel aus finanzieller Absicherung, individueller Begleitung und einem Arbeitsumfeld, das neue Wege ermöglicht.

